Der Randalierer von Flug LT 752: Ich bring euch alle um!
Auf dem Flug München–Bangkok dreht ein Schwabe (45) durch
Vielleicht hätte man es schon vor dem Start merken können. Da steigt am Montagabend ein komischer Typ am Münchner Flughafen in den Airbus nach Thailand, Kopftuch auf, zerrissenes Hemd und abgeschnittene Jeans an. Andererseits: Es ist ja Fasching. Und als LTU-Flug 752 Richtung Bangkok abhebt, schmettert der Mann ein donnerndes: „Helau!“
Horst Veith (65) aus Rottach-Egern ärgert sich nur über die Stunde Verspätung, mit der die Maschine startet. Der Mann ist Erfinder, sein Knickstrohhalm ist in aller Munde. In Bangkok hat er Termine, im Oriental-Hotel will er sein neues Spray gegen die Vogelgrippe vorstellen – für Hotelbetten. Vor zwei Jahren hat es schon gegen den SARS-Virus geholfen. Die Maschine hebt kurz nach Acht ab, der Mann mit dem Kopftuch schreit: „Helau!“
Zwei Stunden später über der Ukraine ist der Spaß vorbei. Der Mann springt plötzlich auf, tritt, spuckt, schlägt wahllos in die Reihen, schreit: „Ich bring euch jetzt alle um!“ Der Mann, ein 45-jähriger Schwabe aus Bad Rappenau, ist extrem betrunken. Angst an Bord von Flug LT 752! Die Crew fackelt nicht lange. Flugbegleiter, Stewardessen und Passagiere fesseln den Randalierer mit Handschellen aus Kunststoff. Die hat jede Maschine an Bord – und Beruhigungspillen.
Aber die geben sie ihm nicht – zu gefährlich. Dafür wird er mit einer Decke an den Sitz gebunden. Der Randalierer gibt keine Ruhe. Er kreischt um Hilfe, tritt weiter, pinkelt in den Sitz, spuckt Passagiere an – auch weil einige ihn dauernd fotografieren. „Vor lauter Sensationsgier“, ärgert sich Veith.
Dem Piloten wird es zu brenzlig. Er wendet, fliegt zurück, aber nach Düsseldorf, weil das näher liegt. Jetzt dreht eine Frau durch. Sie stürzt sich auf den Gefesselten, knallt ihm die Faust mit voller Wucht ins Gesicht, einmal, zweimal, dreimal. „Die hat vor Wut geschrien, weil der Flieger umgekehrt ist“, erzählt Veith der Tegernseer Zeitung.
Applaus brandet auf, als der Randalierer über dem Auge blutet. Veith bekommt ein paar Spritzer ab. Er sitzt mittlerweile neben dem Mann, eine Stewardess hat ihn dorthin gebeten. Tatsächlich schafft er es, den Betrunkenen mit seiner tiefen Stimme und dem fränkischen Dialekt zu beruhigen. „Der reinste Psychopath“, urteilt Veith. Der Randalierer erzählt ihm von seinem verpfuschten Leben und dem Plan, nach Thailand auszuwandern. Und von dem Geist, der ihn verfolgt. Er würde ihn irgendwann holen.
Erst einmal wird der Mann in Düsseldorf von vier Beamten der Bundespolizei abgeholt. Sie messen zwei Promille Alkohol in seinem Blut. Als Veith das Flugzeug verlässt, danken ihm die Passagiere mit Applaus. Er übernachtet wie die anderen in einem Hotel. LTUFlug 752 startet am Dienstag mit einem Tag Verspätung. Der 45-Jährige wird am Dienstag aus der Ausnüchterungszelle entlassen.
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Passagier an Bord eines LTU A330 dreht durch
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