Moin Bernd,
um bis zur "Emergency Brake" vorzudringen muß schon eine Menge nicht mehr funktionieren....
Ich versuche mal als Beispiel das Bremssystem der Airbus A320-Familie zu erklären (alles ausm Hut, also nicht böse sein, wenns nicht 100%ig stimmt

)
Der 320er verfügt genau genommen über 3 verschiedene Arten, die Radbremsen zu benutzen:
- normal braking mit anti skid
- alternate braking mit anti skid
- alternate braking ohne anti skid
Im Normalfall wird das Bremssystem von der grünen Hydraulikanlage, die von der Hydraulikpumpe des Triebwerks #1 (links) angetrieben wird, versorgt.
Dieses System ist mit einem anti skid-System ähnlich einem ABS ausgerüstet.
Im Landeanflug hat der Pilot die Möglichkeit, die Verzögerungswerte der Bremse zwischen "low", "medium" und "high" vorzuwählen. Sobald das Flugzeug gelandet ist, sprich die Struts (Stoßdämpfer) "compressed" melden und eine "wheelspeed" gemeldet wird, aktiviert sich das Auto-Brake System und bremst den Flieger automatisch. Diese zwei Bedingungen müssen erfüllt sein, um zu verhindern, daß der Flieger z.B. mit getretener Bremse gelandet wird (locked wheel protection), kam vor 100 Jahren mal bei einer DC-10 vor. Der Pilot hat natürlich jederzeit die Möglichkeit manuell einzugreifen, kann bei Bedarf auch ohne Auto Brake landen.
Sollte das grüne Hydrauliksystem ohne Flüssigkeitsverlust ausfallen, z.B. wenn nur die Hydraulikpumpe kaputt ist oder das Triebwerk #1 ausfällt, kommt hier eine Power-Transfer-Unit (PTU) zum Zuge, die anspringt, sobald ich einen Druckunterschied > 500 PSI zwischen den Hydrauliksystemen habe. Diese würde in diesem Fall den Hydraulikdruck ohne Flüssigkeitsaustausch vom gelben ins grüne System übertragen und der Flieger könnte ganz normal mit anti skid und Auto Brake gebremst werden.
Fällt jetzt das grüne (linke) Hydrauliksystem ganz aus (z.B. wegen einer Leckage), schaltet der Flieger die Bremse automatisch auf das vom Triebwerk #2 versorgte gelbe Hydrauliksystem um. Das nennt sich dann "alternate braking mit anti skid" und Auto Brake funktioniert hier auch, analog zum normal braking.
Sobald das gelbe Hydrauliksystem unter Druck steht (gelbe elektrische Pumpe oder Triebwerkspumpe, sobald der rechte Motor angelassen ist) wird ein an der rechten Hinterwand des Hauptfahrwerkschachtes angebrachter Bremsdruckspeicher versorgt. Der ist dann sozusagen der Hosenträger zum Gürtel.
Sollten beide Hydrauliksysteme ausfallen, z.B. bei doppeltem Triebwerksausfall, hat der Pilot die Möglichkeit, das Flugzeug noch mit dem alternate braking ohne anti skid zu bremsen. Hier kommt es dann aber auch auf sein Feingefühl an, es gibt kein anti skid und demzufolge auch kein Auto Brake mehr. Das heißt, wenn der Pilot zu stark in die Bremspedale tritt, würden die Räder auch blockieren.
Bei anderen Flugzeugen sind die Bremssysteme ähnlich aufgebaut, Stichwort Redundanz.
Es gibt kein Flugzeug, das mit sowas wie ESP ausgerüstet ist, macht aber auch keinen Sinn, weil die Räder von Flugzeugen nicht angetrieben sind.
Ich hoffe, daß ich Deine Frage einigermaßen beantworten konnte.
Gruß Meikel